Politisches Interesse: die Rolle der Schule

Unsere Autorin schildert aus eigener Erfahrung, wie man in der Schule Interesse an Politik fördern kann. Und plädiert dafür, auch das Desinteresse zu akzeptieren.

Letztes Jahr waren an meiner Schule zum ersten Mal Juniorwahlen. Es war äußerst interessant zu sehen, wie politisch interessiert viele Jugendliche sind aber auch wie egal es manchen ist.

Im Geschichtsunterricht haben wir zu dieser Zeit eine sogenannte „Politik-Edition“ gemacht, denn normalerweise gibt es an meiner Schule keinen regulären Politik-Unterricht. Ich finde das sehr schade, aber was soll man tun: die LehrerInnen müssen dank des neuen Curriculums ohnehin schon durch den Stoff hetzen. Da kann man nicht von ihnen erwarten, auch noch Politik-Unterricht zu geben.

Aber wie auch immer, die Politik-Edition des Geschichtsunterrichts hat mir sehr großen Spaß gemacht. Einfach deshalb, weil ich mich sehr für Politik interessiere. Und das schon, seit wir zum ersten Mal das Thema Wahlen in der Grundschule hatten. Ich glaube, das liegt daran, dass meine Eltern mich schon immer mitnahmen, wenn sie wählen gingen. Seit ich ganz klein war. Natürlich habe ich lange nicht verstanden, worum es da ging und was das überhaupt war. Aber ich denke, das ist einfach hängengeblieben. Als ich in der Grundschule das erste Mal Politik-Unterricht hatte, war ich begeistert. Bis ich mich einigermaßen damit auskannte verging Zeit, jedoch freute ich mich riesig als ich erfuhr, dass wir passend zur Bundestagswahl 2018 an unserer Schule die Juniorwahlen durchführen werden.

Die Juniorwahlen und mangelndes Interesse der SchülerInnen

Aber was sind die Juniorwahlen überhaupt? Die Juniorwahlen sind eigentlich wie „echte“ Wahlen: mit Wahlkabinen und richtigen Stimmzetteln. Nur eben an einer Schule. Praktisch eine Simulation einer Wahl. Im Politik-Unterricht wurde mir dann klar, dass es nicht allzu viele Leute gab, die wirklich daran interessiert waren, wählen zu gehen und sich mit den verschiedenen Parteien auseinanderzusetzen. Das erschrak mich. Ich konnte nicht begreifen, wie man sich gerade als junger Mensch nicht von Politik angesprochen fühlen kann.

Doch je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr verstand ich es. „Warum sollte ich mich als junger Mensch für etwas interessieren, was mich doch gar nichts angeht? Ich darf doch eh noch gar nicht wählen gehen. Was kann ich schon bewirken?“ Das sind Dinge, die ich in dieser Zeit öfter gehört und gelesen habe. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich auch erstmal nachvollziehen, warum jemand eine Aussage wie diese tätigt. Denn so ein Kreuz auf irgendeinem Papier – das kann doch gar keinen Unterschied machen, oder? Doch, den macht es. Nur ist das vielen Jugendlichen (und Erwachsenen) nicht bewusst. Ich denke, dass es wichtig ist, von seinen Rechten Gebrauch zu machen; selbst wenn das nur heißt, zwei große Kreuze auf den Wahlzettel zu malen.

Meinungsbildung fördern – Debattenkultur stärken

Aber ich möchte zurück zum Punkt kommen. „Wenn Jugendliche nicht an Politik interessiert sind, dann ist das halt so.“ Nein, denn ich habe im Laufe der Vorbereitungen und Durchführung der Juniorwahlen gemerkt, wie sich plötzlich bei der/m einen oder anderen doch ein Funken regte. Ein Hauch von Interesse war bei manchen auf einmal vorhanden. Und das nur, weil wir innerhalb des Unterrichts diskutierten und Meinungen austauschten. Dadurch entstand eine Offenheit und Transparenz. Unsere Lehrerin machte nämlich etwas sehr Schlaues: sie bezog alle mit in die Diskussion ein. Auch diejenigen, die etwas zu sagen hatten, sich aber nicht meldeten, z.B weil sie sich nicht trauten, nahm sie einfach dran. Ich halte die Methode, gerade SchülerInnen dranzunehmen, welche sich nicht melden, eigentlich nicht für sinnvoll. Doch in dieser Situation hat das sehr gut funktioniert.

Ich denke, das Allerwichtigste ist, die Meinungsbildung von SchülerInnen zu unterstützen und zu fördern. Denn SchülerInnen zu sagen, dass die eigene Meinung zählt und wichtig ist, wird natürlich nicht bei jeder/m dazu führen, dass sie oder er sich traut, sie vor der ganzen Klasse zu diskutieren und einen Standpunkt zu vertreten. Aber es kann SchülerInnen ermutigen und das ist schon mal etwas. Ebenfalls von Bedeutung ist es, die Debatten- bzw. Diskussionskultur zu stärken und SchülerInnen richtiges Diskutieren beizubringen. Denn wie man Argumente findet und sie vorträgt, will gelernt sein. Nicht nur des politischen Interesses wegen, auch um die SchülerInnen auf das spätere Leben vorzubereiten.

Das andere, was ich für sehr wichtig halte, ist zu respektieren, wenn jemand sich nicht für Politik interessiert und/oder nicht wählen gehen möchte. Natürlich gibt es viele gute Gründe wählen zu gehen, aber jemand, die/der das nicht will, sollte sich nicht unter Druck gesetzt fühlen und denken, dass das ein Tabu ist.

Es ist wichtig, dass wir das politische Interesse Jugendlicher stärken und eine Debattenkultur fördern, denn der Satz „Die Jugend ist unsere Zukunft“ klingt abgedroschen, stimmt aber. Und ich meine, wir brauchen – gerade, wenn man sich die aktuelle politische Lage ansieht – in Zukunft meinungsstarke Menschen, die sich für Demokratie starkmachen und keine Diskussionen scheuen.


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Digitalisierung an meiner Schule – Ein Erfahrungsbericht

Das Ausmaß der Digitalisierung an meiner Schule lässt zu wünschen übrig. Unsere Computer sind um die zehn Jahre alt, und es werden Dinge erwartet, die man nicht erwarten sollte. Aber was kann dagegen getan werden?

Ich bin 14 Jahre alt und gehe mittlerweile seit neuneinhalb Jahren in die Schule. Seit ich klein bin, habe ich mit Medien zu tun. Meinen Eltern war es sehr wichtig, dass ich mich damit beschäftige. Doch in Kindergarten und Schule war es schwierig. Im Kindergarten gingen wir gar nicht mit Medien um. In der Grundschule gab es eine Computer-AG, in der wir mit Paint gemalt haben. Ab der 5. Klasse hatten wir ein Smartboard im Klassenraum, mit dem die LehrerInnen nicht umgehen konnten. Das war alles. Auf dem Gymnasium wurde es besser, jedoch nicht sehr. In der 7. Klasse hatte ich für ein halbes Jahr einen „Informationstechnischen Grundkurs“ (kurz ITG), in dem wir ein wenig über Word und Excel lernten.

Fehlendes Wissen und unrealistische Erwartungen

Mir wurde niemals beigebracht, wie ich eine Powerpoint-Präsentation erstelle oder ein Dokument auf einen Stick lade. Ab einem bestimmten Punkt wurde einfach erwartet, dass wir es können. Wenn nicht, wurde gesagt, dass wir das können müssten. Wir bräuchten solche digitalen Präsentationen für unsere MSA Prüfungen (Mittlerer Schulabschluss), das sei sehr wichtig. Und auch später im Berufsleben. Aber wenn uns keiner sagt, wie man es macht, kann man es dann für selbstverständlich halten?

Nein, denn das Problem ist, dass ein großer Teil der LehrerInnen zu wenig weiß. Doch nicht nur die LehrerInnen auch viele SchülerInnen haben keine Ahnung, wie sie mit Technik richtig umgehen. In unserem Computerraum stehen Computer, die um die zehn Jahre alt sind. Kein/e SchülerIn kann mit diesen Computern richtig lernen. Es ist wie mit alten, kaputten Schulbüchern. Wenn die Seiten fehlen oder nicht mehr lesbar sind, kann man nichts lernen. Der Unterschied ist nur, unsere Bücher werden ersetzt, die Computer nicht. Um ein (aktuelles) Beispiel für die Situation an meiner Schule zu nennen: Es gibt SchülerInnen, die wissen nicht, wie sie eine Präsentation auf ihrem Mac in ein PDF umwandeln, doch wenn sie das dann nicht hinkriegen, bekommen sie Ärger von den LehrerInnen, weil diese die Präsentation auf ihren Computern nicht abspielen können. Das Hauptproblem besteht darin, dass die LehrerInnen etwas für sie selbstverständliches erwarten, was ihnen eine Vielzahl der SchülerInnen nicht bieten kann, weil es eben nicht selbstverständlich ist.

Doch nicht alle LehrerInnen sind so. Es gibt ein paar wenige, die mit digitalen Lernangeboten den Unterricht gestalten und sich besser auskennen. Auch unsere SchülersprecherInnen setzen sich schon seit längerem für mehr Digitalisierung ein. Aber was kann man tun, damit sich die Situation verbessert?

Die Situation verbessern – aber wie?

Mein Vorschlag wäre: Bei null anfangen, und vor allem: langsam anfangen. Erstmal über Digitalisierung an Schulen reden und vor allem diskutieren. Warum sind das Thema und insbesondere eine kritische Diskussion darüber so wichtig? Denn es steht fest, dass Schule in nicht allzu ferner Zukunft auf digitalem Lernen basieren wird. Wir können uns nicht ewig weigern, damit umzugehen. Aber gleichzeitig ist es unmöglich, von einem Tag auf den anderen eine Schule zu digitalisieren.

Anstatt von jeder/m zu erwarten, sich perfekt mit Technik und Computern auszukennen, sollte man zuerst davon ausgehen, dass keine/r irgendetwas kann. Nur weil wir in einer digitalen Welt leben, heißt das nicht, dass jeder damit zurechtkommt. LehrerInnen und SchülerInnen würden sich auf Augenhöhe begegnen, was wiederum die Kommunikation zwischen beiden verstärken könnte. Daher halte ich Schul- und KlassensprecherInnen gerade bei der Digitalisierung unserer Schule für sehr wichtig. Denn sie sind dazu da, die Interessen und Wünsche von SchülerInnen an LehrerInnen zu vermitteln.

Als zweiten Schritt würde ich es für eine gute Idee halten, sich andere Schulen anzusehen. Wie machen die es? Womit haben sie angefangen? Was waren ihre Ideen, können wir sie an unserer Schule umsetzen, und wenn ja wie? Das könnte uns helfen zu sehen, was umsetzbar und realistisch ist. Ebenfalls gut wäre es, sich Hilfe bei Organisationen und Vereinen zu suchen, die Schulen dabei unterstützen, sich zu digitalisieren.

Bis zur vollständigen Digitalisierung meiner Schule wird viel Zeit vergehen. Es werden sich Probleme auftun, aber auch Lösungen finden. Doch letztendlich ist das Wichtigste die Kommunikation und dass jeder überzeugt ist. Denn kein Projekt ist schaffbar, wenn nicht alle Beteiligten mitmachen. Wir müssen anfangen zu reden und verstehen, dass eine digitale Schule im Jahr 2018 noch nicht selbstverständlich ist.


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